Immer mehr Rentner sind auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen. Ende 2013 bezogen
schon eine halbe Million Menschen ab 65 Jahren die Hilfe. Das sind 45 Prozent mehr als vor acht Jahren.

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Dass die Altersarmut keine düstere Zukunftsversion mehr ist, lässt sich inzwischen deutlich an aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ablesen. Allein in den letzten acht Jahren stieg die Zahl der Menschen ab 65 Jahren, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind, um rund 45 Prozent an.

Das Bild der Flaschensammler in den Großstädten ist kein Zufall: Laut Destatis sind gerade sie Brennpunkte der Altersarmut. Spitzenreiter unter den Bundesländern waren demzufolge die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin. In Berlin bezogen 58 von 1.000 Einwohnern Grundsicherung, in Bremen waren es 59.

Altersarmut bei Frauen

Auch bei den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Besonders häufig auf Grundsicherung angewiesen sind Frauen, vor allem westdeutsche. 2013 bezogen in Westdeutschland 36 von 1.000 Frauen und 27 von 1.000 Männern ab 65 Jahren die Existenzsicherung. In den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 22 von 1.000 Frauen und 20 von 1.000 Männern. Die neuerlichen Rekordzahlen sind lediglich Vorboten einer auf uns zurollenden Lawine der Altersarmut.

Die beunruhigende Entwicklung einer stetig steigenden Zahl von altersarmen Menschen wird in Deutschland wohl Alltag werden. Denn um der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen, soll das Renteneintrittsalter stetig ansteigen, während zugleich das Rentenniveau sinkt. Laut Aussage des Deutschen Gewerkschaftsbunds ist zwischen 1960 und 2013 der Anteil der Rente von 53 auf 45 Prozent des letzten Einkommens gefallen. Wer nicht gleich Flaschen sammeln möchte, verdient sich als Minijobber etwas hinzu. Auch in diesem Bereich steigt die Zahl der älteren Beschäftigten.

OECD warnt Deutschland

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bezeichnete der Paritätische Wohlfahrtsverband als „im höchsten Maße alarmierend“. „Die neuerlichen Rekordzahlen sind lediglich Vorboten einer auf uns zurollenden Lawine der Altersarmut. Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts droht ein Heer von ehemals Langzeit- und Mehrfacharbeitslosen sukzessive und unaufhaltsam in die Altersarmut zu fallen“, warnt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

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Ein weiteres Hindernis für ein ausreichendes Einkommen im Alter ist der größer werdende Niedriglohnsektor in Deutschland. Bereits im Mai rügte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) explizit die Bundesrepublik. Ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer drohe hierzulande langfristig wirtschaftlich abgehängt zu werden. „Wir befürchten, dass Deutschland deshalb in den kommenden Jahren ein erhebliches Problem mit Altersarmut bekommen wird“.

Tatsächlich muss inzwischen sogar der Durchschnittsverdiener damit rechnen, in den kommenden Jahren nur noch eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten.

Laut einer aktuellen Modellrechnung des Instituts Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen muss ein Beschäftigter mit einem durchschnittlichen Lohn von rund 2900,– Euro beim Rentenbeginn im Jahr 2015 schon 28,3 Jahre gearbeitet haben, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu bekommen. Sie liegt inklusive der Leistungen für Wohnung und Heizung derzeit im Schnitt bei 690,– Euro pro Monat.

Neben Ausgaben fürs Wohnen und Heizen zählen zur Grundsicherung laut Deutscher Rentenversicherung auch der notwendige Lebensunterhalt sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Der Lebensunterhalt wird durch unterschiedliche „Regelbedarfsstufen“ sichergestellt, das heißt, er wird an die jeweilige Lebenssituation angepasst.

So bekommen zum Beispiel Alleinstehende und Alleinerziehende seit dem 1. Januar dieses Jahres 391,– Euro.

 

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