Dies sind Überlegungen, wie die Gesundheitsversorgung mit allen darin verknüpften Themen, wie z.B. die Pflege, in Zukunft gestaltet werden könnte.

Status quo

In der Medizin und damit im ganzen Bereich der Gesundheitsversorgung hat es einen Paradigmenwechsel gegeben. Vom Primat des Patientenwohls zum Patientenwillen. Durch Technisierung und Ökonomisierung ist das Vertrauen der Patienten in die Medizin abhanden gekommen. Für die handelnden Gruppen wie Mediziner(innen), Apotheken, Kliniken, Rehaeinrichtungen, Pharmazie-Unternehmen und Medizintechnik-Unternehmen scheint der ökonomische Aspekt die Leitlinie des Handelns geworden zu sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die große Zahl der Möglichkeiten, sich über Literatur und Beratung eine zweite Expertise einholen zu können, belegen den Trend.

Der Gesundheitsmarkt ist ein maßgebender Wirtschaftszweig beim Wirtschftschaftswachtum in Deutschland. Wer bezahlt aber dieses Wachstum und auf wessen Kosten entsteht es?

Krankenversicherung

Die Bevölkerung sichert sich gegen das Risiko Krankheit über Versicherungen ab. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass jeder Bürger als Grundvorsorge solch eine Versicherung haben muss. Der Staat sichert sich dadurch gegen Ansprüche ab, die Menschen haben, die durch Krankheit in soziale Not geraten sind und für die der Staat Hilfe anbieten muss. Ist ein Bürger abhängig beschäftigt, so muss sich der Arbeitgeber an den Beiträgen zur Hälfte beteiligen.

Da sich jeder Bürger versichern muss, ist die Krankenversicherung ein großer Markt, auf dem sich gesetzlich vorgeschriebene, gesetzlicht tolerierte (Ersatzkassen) und private Anbieter tummeln. Sie unterscheiden sich im Auftrag und im Umfang der Leistungen. Die gesetzlichen Versicherungen (GKV) wie die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) stellen die Grundversorgung sicher, die Ersatzkrankenkassen haben bestimmte Berufsgruppen und die Betrieblichen Krankenkassen (BKK) haben im Schwerpunkt Mitarbeiter ihrer Betriebe im Fokus, die Privaten Krankenkassen (PKV) sprechen den Personenkreis an, der sich mehr leisten kann und will. Die AOK versichert Personen mit hohem Risiko, die GKV Personen mit dem größten wirtschaftlichen Gewinn. Dies ist vom Gesetzgeber so gewollt und geregelt. Deshalb sind die Versicherungen, die im gesetzlichen Auftrag handeln, Körperschaften des öffentlichen Rechts und die PKVen privatwirtschaftlich als AG, GmbH usw. organisiert.

Nach dem Gesetz des "Freien Marktes" propagieren nun Vorstände der Ersatzkassen unter dem Deckmantel Ende des Zwei-Klassen-Systems (entnommen aus FTD.de), dass sich die Ersatzkassen eine Rechtsform geben, wie die PKVen sie haben, also von Körperschaften des öffentlichen Rechts in Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit wandeln. Es stellt sich die Frage, welches Ziel mit dieser Reform verfolgt wird und was sich daraus entwickeln würde. Haben die Versicherten etwas davon? Haben die Vorstände der Versicherungen etwas davon?

Gleiche Überlegungen wie für die Krankenversicherung gelten auch für die Pflegeversicherung. Diese wurde aus der Krankenversicherung herausgenommen, damit die Beitragssätze nicht ins Unendliche steigen. Dafür hat man bei der Einführung der Pflegeversicherung die Arbeitgeber entlastet, in dem man das Kulturgut eines gesetzlichen Feiertages (bezahlt Frei) opferte.

Gesundheitversorgung

Der Markt der Dienstleister im Gesundheitsbereich lässt sich in die Bereiche Krankenversorgung, Pflege, Reha und Vorsorge einordnen.

Wie bei den Krankenversicherungen ist auch dies ein großer Markt, auf dem sich private und von gesetzlichen Organen gegründete Unternehmen tummeln. Die privaten Unternehmen und Einzelunternehmer  - wie Arztpraxen -   unterliegen nach der Lehre des "Freien Marktes" dem Diktum des Wachstums mit immer mehr Umsatz.

Im April 2012 ist die Lösung der Gesundheitsökonomen, die Praxisgebühr zu reformieren. Zukünftig soll der Arztbesuch nicht 10,-- Euro im Quarl kosten, sondern jeder besuch 5,-- Euro. Begründet wird dies damit, dass die bisherige Praxisgebühr die Patienten nicht von überflüssigen Arztbesuchen abhält. Ob das neue Modell viele der über 50 Millionen Arztkontakte pro Jahr dadurch vermeiden wird, ist fraglich. Das Bewusstsein bei den Patienten, das der Besuch eines Arztes Kosten mit sich bringe, werde durch die fünf Euro auch nicht gestärkt. Es besteht entweder ein Bedarf oder ein Anspruch. So jedenfalls die Vergangenheit. Der Minister Bahr FDP plädiert allerdings für ihre völlige Abschaffung.

Die Frage ist, wie bringen wir Gesundheitversorung und die Kosten so in Zusammenhang, dass die volkswirtschaftlich günstigste Lösung (nicht preiswerteste) gefunden wird.

Ein Modell könnten lokale, genossenschftlich organisierte Gesundheitszentren sein. Gegenüber privatwirtschaftlich geführten Gesundheitszentren, werden bei Genossenschaften die Beteiligung, der Nutzen und die Bindung groß geschrieben. Zweck einer Genossenschft iat die wirtschaftliche Führung und nicht die gewinnmaximierung.

...Gleich gehts weiter